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ERP Software als Open-Source

Freie (Open Source) ERP Software ist seit einiger Zeit am Markt verfügbar und wird schon von rund einem Drittel kleinerer Unternehmen genutzt. Es gibt hier prinzipiell das Modell, dass eine abgespeckte Version völlig kostenlos zur Verfügung gestellt wird, ein größerer Funktionsumfang wird dann kostenpflichtig, oder die Open Source ERP völlig kostenlos bleibt und es dem Anwender obliegt, ob er den Support eines Softwarehauses in Anspruch nimmt. Firmen mit mindestens einem IT-Spezialisten können solche Programme tatsächlich kostenlos implementieren und nutzen.

Vorteile von freier ERP Software

Neben dem eindeutigen Kostenvorteil - vollumfängliche ERP-Systeme sind nicht preiswert - besteht ein nicht zu unterschätzender Vorteil in der Anpassungsfähigkeit der Programme ohne Zuhilfenahme von externen IT-Spezialisten. In der Unternehmenspraxis können Anpassungen sehr schnell und oft erforderlich werden, wer sein ERP-System selbst beherrscht, erlangt damit einen großen Wettbewerbsvorteil. Schon die Implementierung des Systems inklusive der Aufsattelung von Modulen erfolgt zeitneutral, da kostenlos. Die Unternehmen haben hier nicht nur die reine Kostenseite im Auge, sondern auch die Möglichkeit, unbelastet von Zeitzwängen die wirklich optimalste Lösung zu implementieren. Im weiteren Verlauf ist das System beliebig skalierbar, wenn es doch den Anforderungen nicht genügen sollte, kann in der Regel eine kostenpflichtige Variante modular aufgesetzt werden. Darauf müssen die Anwender allerdings achten.

Möglichkeiten von Open-Source ERP Software

Die Systeme genügen kleinen Unternehmen oftmals, entscheidend ist der Funktionsumfang und eventuell eine Begrenzung der Größe von Datenbanken. Wenn das Unternehmen nicht völlig sicher ist, die Implementierung, Anpassung, Skalierung und Wartung allein vornehmen zu können, sollte am besten zwar auf eine Open Source Lösung, aber von einem Anbieter mit bereitstehendem Support zugegriffen werden. Hier entfallen Lizenzkosten, bei jeglichem Problem stehen allerdings Fachleute bereit.

Der offenliegende Quellcode impliziert bei Open Sources eine größere Zukunftsfähigkeit, allerdings ist das eine theoretische Betrachtung. Für die Nutzer von Open Source ERP ist diese Betrachtung dennoch essenziell. Wenn ein sehr großes Unternehmen ERP-Software von SAP, Sage, Oracle oder Microsoft nutzt, so ist es relativ unwahrscheinlich, dass eines dieser Unternehmen vom Markt verschwindet. Damit ist eine Weiterentwicklung der implementierten Software höchstwahrscheinlich gesichert. Kleine Unternehmen jedoch, die zwischen einem kleinen, preiswerten Softwarehause und Open Source zu entscheiden haben, könnten zur Überlegung gelangen, dass das kleine Softwarehause vom Markt verschwinden könnte, während Open Source mit offenem Quellcode prinzipiell in der Cloud erhalten bleibt.

Die Möglichkeiten von Open Source ERP sind etwas eingeschränkter gegenüber den lizenzpflichtigen Versionen großer Softwarehäuser, hier muss ein KMU den Funktionsumfang vorab genau studieren. Bisweilen fehlen bestimmte Schnittstellen, die irgendwann bedeutsam werden können, zum Beispiel zu DATEV- oder CRM-Paketen. Das wäre für manche Unternehmen ab einem gewissen Arbeitsumfang ein ernsthaftes Hemmnis. Daher muss bei der Migration das eigene, künftige Unternehmenswachstum in die Überlegungen mit einbezogen werden.

Beispiele für ERP Open Source Lösungen

Zwei Beispiel können die Möglichkeiten von ERP Open Source aufzeigen:


-webERP ist cloudbasiert, wurde schon 2001 gegründet und 2003 veröffentlicht, seither entwickeln es freie Programmierer unter GPL weiter und sind bei der Version 4.0 angelangt. Das für die USA ausgelegte System kann auf die Landessprache per Schnittstelle angepasst werden, auch auf die Landeswährung, die Dokumentation liegt allerdings vollständig in Englisch vor. Die Menüs liegen als Hyperlink-Listen vor, Ajax und JavaScript werden vermieden, um die Kompatibilität mit anderen Plattformen, vor allem mobilen Systemen zu erhöhen. Das geht etwas zulasten des Komforts, wird aber bewusst in Kauf genommen. Die vorhandenen Module sind in drei Bereiche aufgeteilt: Vorgänge, Datenpflege und Auswertungen. Jedes Element existiert als Button in Listen, über eine Suchfunktion kann ein Datensatz gesucht werden, der allerdings explizit beschrieben werden muss. Über dem Hauptmenü existiert ein zweites Menü für den Schnellzugriff, dort wird auch eine Suche für die Gesamtdatensätze angeboten, zudem gibt es ein Kontextmenü. Darüber sind Verknüpfungen möglich, etwa eines Lieferanten mit dem Wareneingang und/oder einer Bestellung. Die Anwendung kann webbasiert genutzt werden, was einen sehr großen Vorteil darstellt, ihre Funktionen sind allerdings vom Umfang her eingeschränkt, zudem ist das System nicht unbedingt komfortabel. Es ist für kleine Unternehmen konzipiert, die sehr mobil und flexibel sind.


-OpenERP, ein weiteres Open Source ERP-System, liegt aktuell in der Version 6.1 vor und läuft unter Windows, Mac und Linux, es ist in Deutsch verfügbar. Die Software fasst Warenwirtschaft, Lagerhaltung, Produktion, Finanzbuchhaltung, CRM und Projektverwaltung zusammen, es richtet sich an KMU bis 200 Mitarbeiter. Das Basismodul verwaltet Kunden- und Lieferantendaten, ebenfalls die Mandantenstammdaten, ein Modul Produkte umfasst die Einheitsverwaltung für Ein- und Verkauf sowie Preislisten und Artikelstämme, des Weiteren existieren Module für die Auftragsverwaltung, Angebotsverfolgung, Beschaffung, Finanzen, CRM mit hochflexiblen Funktionen inklusive E-Mail-Empfang, Serien-Mails, Opportunities, Kontakthistorie, SMS-Versand und Anschreiben. Auch ein Helpdesk Ticket-System ist integriert, eine Projektverwaltung mit Stundenerfassung und einer Rechnungserstellung aus Projektstunden und einem Gantt-Diagramm. Die Lagerverwaltung ermöglicht die Differenzierung in eigene Lager und Kundenlager sowie die Verbuchung aller Materialbewegungen. Im Modul Produktion können Arbeitspläne und Produktionsstätten definiert, Kosten und Auslastungen berechnet und die Beschaffung geplant werden. Es existieren insgesamt fast 300 Module und auf Länder bezogene Installationen.






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